Ruinen der Gewohnen
"Menschen verharren in den Ruinen ihrer Gewohnheiten" - Jean Cocteau
Dies bedeutet, dass Menschen oft in alten, vertrauten Verhaltensmustern feststecken, selbst wenn sie unpraktisch oder schädlich geworden sind, statt sich neuen Möglichkeiten zu öffnen. Diese Gewohnheiten bilden eine Art Ruine, in der sie sich sicher fühlen, aber Wachstum und Veränderung blockiert bleibt.
Aus Ruinen heraus neue Wege beschreiten– Systemisch denken, Lösungen gestalten
In den stillen Hallen unserer Gewohnheiten wohnt eine eigentümliche Ruhe. Die vertrauten Routinen unserer Handlungsweisen, Reaktionen und Gefühlen, die längst zu vertrauten Ruinen geworden sind, schützen uns vor dem Ungewissen des Neuanfangs. Doch hinter diesem Schutzgefüge wächst eine stille Ruine: Gewohnheiten, die uns einst Halt gaben, haben sich zu Mauern verdichtet, hinter denen lebendige Möglichkeiten nur zaghaft zum Vorschein kommen. Wir nennen dies eine Ruine des Vertrauten – ein Ort, an dem Denken, Fühlen und Handeln in einem sicheren, aber eingefrorenen Kreislauf verstrickt sind.
Im Coaching geht es nicht darum, die Ruhe zu bekämpfen, sondern behutsam zu erkunden, welche Steine dieser Ruine uns noch tragen und welche uns belasten. Es ist ein behutsamer Prozess des Hinsehens: Welche Muster wiederholen sich automatisch? Welche Stimmen in mir flüstern, dass Veränderung gefährlich sei, obwohl das Leben ruft? Die Ruine wird so zum Spiegel: Sie zeigt, wo wir heute stehen, nicht als Urteil, sondern als Momentaufnahme einer Geschichte, die weitergehen möchte.
Wir arbeiten daran, den Staub der Routine zu lichten, ohne die Struktur zu zerstören, die uns Stabilität schenkt. Aus dem Schatten der Gewohnheiten treten neue Blickwinkel, kleine, oft unscheinbare Bewegungen, die allmählich eine Tür öffnen – eine Tür zu Wirklichkeiten, die zuvor unsichtbar waren. Es ist kein radikaler Bruch, sondern ein behutsames Ausbalancieren zwischen Vertrautem und Wandel, zwischen Sicherheit und Gestaltungskraft.
In diesem Spannungsfeld finden wir Ressourcen, die längst in uns wohnen: Geduld, Neugier, Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Neues zu integrieren. Der Weg aus der Ruine ist kein Weg aus sich selbst hinaus, sondern eine Öffnung nach innen, eine Einladung, die eigenen Potenziale zu hören, zu benennen und zu entfalten.
Coaching wird so zu einer Unterstützung zur Erkundung der eigenen Gewohnheiten – nicht, um sie zu zerstören, sondern um ihre verwandelte Bedeutung im Hier und Jetzt zu entdecken.


